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Das Tor zur Fülle
Bild: © peps22 in www.pixelio.de
von Gotthold Kietz
Diskussion
zum Artikel im "Shaumbra-Forum für Neue Energie"
Unser Universum ist Fülle. Und Fülle ist unser natürlicher Zustand -
auch im Leben auf dieser Erde. Wir können das wählen und erschaffen. Als Nachkriegskind einer kinderreichen Flüchtlingsfamilie sog ich Not und Mangel mit der Muttermilch auf. Nicht dass ich mich an wirklichen Hunger erinnere, aber alles war knapp und die Sorgen meiner Eltern nahmen kein Ende. Die dringend nötigen Wintersocken oder Schulsachen waren die Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke. Viele Jahre hatte ich mir nur ein einziges, kleines Spielzeugauto gewünscht – vergeblich, das war ganz jenseits aller Möglichkeiten. So durfte ich mich mit dem Erleben von Knappheit und der Angst vor künftigem Mangel Jahrzehnte lang auseinandersetzen.
Zum
Thema 'Fülle' und 'Reichtum' gibt es unzählige Bücher, gechannelte
Botschaften und Seminare. Alle geben vielerlei Ratschläge, die sich aber
ziemlich gleichen. Sie sagen z.B.: Diese Ratschläge funktionieren - ein bisschen. Mir erscheinen sie nicht falsch, aber zu kurz gegriffen. Kann mir Danken Fülle produzieren, wenn in mir die Sorge nagt, dass mir noch 300 Euro bis zum nächsten Monatsanfang fehlen? Kann ein Fluss der Fülle entstehen, wenn ich beim Geben Angst habe, dass vielleicht doch nicht ausreichend zurückkommt? Oder kann ich Geld lieben, wenn ich gleichzeitig all den damit verbundenen Machtmissbrauch verurteile? Wir können durch Befolgen der äußeren Form dieser Ratschläge unsere Mangelsituation nicht manipulieren. Denn unsere tieferliegenden Einstellungen sabotieren leicht den gedachten Wunsch nach Fülle. Um von Mangel zu Fülle zu gelangen, bedarf es daher einer grundlegenden Veränderung unserer Einstellung dem Leben gegenüber. Doch welche Einstellung würde Fülle zur Folge haben? Und wie erreichen wir sie? Meinen 54. Geburtstag feierte ich auf einer Insel mit Freunden und Bekannten, die mich erst kurz kannten. Sie baten mich ein bisschen aus meinem Leben zu erzählen. So fing ich an, einige prägende Erfahrungen zu schildern, von meinem Elternhaus, die ersten Schuljahre, Umzüge, Verliebtheiten, Ausbildungen, Beruf, Ehe, Kinder und, und, und. Ich, der ich sonst sehr wortkarg sein kann, redete über drei Stunden. Beim Sprechen bemerkte ich, dass ich mit allem, was gewesen ist, in Frieden war: den Schlägen in der ersten Klasse weil ich die Buchstaben nicht in den vorgegebenen Linien halten konnte oder das Außenseiterdasein in einem fremden Land, die damals nicht eingestandenen frühen Lieben genauso wie die kleinen Triumphe, gescheiterte Ehen und beruflichen Erfolge. All das hatte mich zu dem werden lassen, der ich an diesem Tag war. Plötzlich wurde mir in der Schau auf mein Leben bewusst, wie reich ich war. Und diese Fülle war eigentlich schon da gewesen, doch jetzt erst konnte ich sie erkennen. Einverstandensein mit allem, was geworden ist, ist wie ein Schlüssel, der ein Leben in Fülle erschließt. Wie könnten wir Fülle erleben, wenn wir vieles - vielleicht sogar das meiste - abwerten, verurteilen, nicht haben wollen? Diese einfache Weisheit ist allerdings für die meisten Menschen schwer zu akzeptieren. Gibt es nicht viel Verwerfliches, Schädliches, ja regelrecht Böses auf dieser Welt? Und sollte es nicht unser Bestreben sein, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, dem Bösen zu widerstehen und Gutes zu tun, uns Licht und Liebe zuzuwenden als Erlösung von der Finsternis? Die mentale und emotionale Bewertung von allem und jedem ist so selbstverständlich, dass es als ganz normal gilt; die meisten bemerken es gar nicht. Reichtum, Gesundheit, Erfolg ist unbedingt erstrebenswert; Armut, Krankheit, Versagen soll mit allen Mitteln vermieden werden. Letztlich unterscheiden wir alles in gut und böse. Diese Beurteilung ist aber der grundlegende Vorgang, der Dualität mit ihrer Dichte erschafft. Gefangen in der Dualität rufen wir immer auch die andere Seite der Medaille hervor. Die Unterscheidung von allem in gut und böse begleitet das menschliche Leben auf Erden seit den frühsten Anfängen. Und so haben wir individuell wie auch als kollektive Menschheit reiche Erfahrungen sammeln können, wohin uns das führt: in Konkurrenz und Kampf, zur Unterdrückung des Weiblichen oder der Verurteilung des Männlichen, in den Wahn, wir könnten eine Seite der Schöpfung, das Böse ausrotten. Es führt immer zu Trennungen, die Angst, Schrecken und viel Leid gebären. Urteilen und Verdammen hält uns in der Dualität gefangen. Und unsere Religionen bestärken uns darin, anstatt uns davon zu erlösen. Solange wir aber darin verfangen sind, werden wir immer auch die andere Seite der Medaille erleben müssen. So funktioniert Dualität. Wir bekommen immer das Abgelehnte präsentiert, solange bis wir es anzunehmen bereit sind. Und das geschieht nicht als Strafe, sondern wir selbst erschaffen durch die Ablehnung eine Kraft, die das durch uns Getrennte in unserem Bewusstsein wieder in die Ganzheit zurück zu führen sucht. Ist das nicht großartig? Es klingt innerhalb der Verstandesmuster der Dualität paradox: Wir kommen nur zu umfassender Fülle, wenn wir sowohl Fülle als auch Mangel als mögliche Erfahrung umarmen. Der Schlüssel des Rätsels liegt im Wechsel der Erfahrungsebene: jenseits der antagonistischen Gegensätze der Dualität in die Ganzheit. Der Ganzheit aber wohnt natürlicherweise Fülle, ja unvorstellbare Fülle inne. Da brauchen wir nicht mehr kluge Regeln zu befolgen, die uns vom Mangel in die Fülle bringen sollen; wir sind bereits in der Fülle angekommen. Indem wir Alles-was-ist ehren, treten wir durch ein Tor in einen neuen Erfahrungsraum ein. Und dort können wir von Herzen danken für die großartige Entfaltung aller Aspekte unseres Lebens; wir umarmen alles uneingeschränkt, natürlich auch Geld; wir geben leichten Herzens, weil wir überfließen. Hier, jenseits der Dualität, liegen alle Potentiale, aus denen wir - nicht mehr getrieben durch Ablehnung und Angst - frei schöpfen können. Wir können über die Entfaltung der Schöpfung staunen und uns daran erfreuen. Die Perspektiven, die sich hier eröffnen weiter zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Bislang bedeutete ein Erdenleben eine Erfahrung in den Gegensätzen der Dualität. Jetzt, in dieser Zeit sind die Bedingungen auf Erden erstmals so, dass wir aus diesen Mustern umfassend aussteigen und unsere natürliche Verbindung zu den höheren Dimensionen erleben können. Wir haben jetzt die Wahl, in eine neue Realität einzutreten. Wir werden allerdings feststellen, dass es nicht so einfach ist, die Bewertungen aufzugeben. Denn es bedarf bewusster Übung die bisherige Gewohnheit zu ändern. Und es bedeutet, gegen den Strom des Massenbewusstseins zu schwimmen. Doch mit unserer bewussten Wahl werden wir alle nötige Unterstützung bekommen, und wir werden bald erste Erfolge erleben. Wenn wir das Beurteilen und Bewerten aufgeben und Alles-was-ist umarmen, dann treten wir durch ein Tor in einen neuen Erfahrungsraum ein, unsere Schwingungsstruktur wird tiefgreifend verändert und es öffnen sich neue Dimensionen. Genau das ist mit 'Aufstieg' gemeint. Nach dieser ersten umfassenden Erfahrung von Fülle, ging ich diesen Weg weiter. Über Bewertungen hinauszugehen, erwies sich mir als einer der wichtigsten Schlüssel zu einer spirituellen Entfaltung, von der ich vorher nichts geahnt hatte. Es ist wie in einer anderen Realität zu leben, in der andere Gesetze als die der Dualität gelten. Fülle - natürlicherweise und mühelos - ist eines der Nebenprodukte.
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